Dario Alejandro Luger https://staging.lexikon-provenienzforschung.org/ de Kühn, Othmar https://staging.lexikon-provenienzforschung.org/kuehn-othmar <span>Kühn, Othmar</span> <span><a title="View user profile." href="/user/1">acolono</a></span> <span>Thu, 09/03/2020 - 14:41</span> <div class="text-content clearfix field field--name-field-display-name field--type-text field--label-hidden field__item">Othmar <strong>Kühn</strong></div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-biographical-data field--type-text-long field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">Zusatzinformationen</div> <div class="field__item"><p>5.11.1892 Wien – 26.3.1969 Wien</p></div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-lexicon-entry field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Nach Abschluss der Realschule in Wien-Ottakring arbeitete Othmar Kühn in der Brauerei von Hallein, kehrte 1914 nach Wien zurück und belegte dort naturwissenschaftliche Studien mit Schwerpunkt Botanik an der Universität Wien. 1916 konnte Kühn noch die Lehramtsprüfung für Mittelschulen absolvieren, ehe er zum Dienst in der k. u. k. Armee einrücken musste und im Zuge der zweiten Piaveschlacht 1918 schwer verwundet wurde. 1919 promovierte er an der Universität in Wien im Hauptfach Botanik sowie im Nebenfach Paläontologie. Danach arbeitete Kühn als Mittelschullehrer in Wien und als Volontär in der Geologisch-Paläontologischen Abteilung des <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="6bf3c61a-ea5a-4d6a-b9b0-6457b8eefac0" href="/naturhistorisches-museum-wien" title="Naturhistorisches Museum Wien">Naturhistorischen Museums</a> (<a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="6bf3c61a-ea5a-4d6a-b9b0-6457b8eefac0" href="/naturhistorisches-museum-wien" title="Naturhistorisches Museum Wien">NHM</a>). Laut seinem Ansuchen um Wiederaufnahme in die NSDAP im Mai 1938 und einem undatierten Lebenslauf war er bereits 1919 Nationalsozialist, bezeichnete sich als Mitbegründer der NSDAP in Österreich, verfasste mehrere Flugschriften und Broschüren, war Hauptreferent auf zwei Parteitagen und fungierte als Versammlungsredner in der Tschechoslowakei. 1925 verließ Kühn infolge interner Konflikte die Partei und trat der "gewerkschaftlichen Vereinigung der Mittelschullehrer" bei, der er bis zur ihrer Auflösung im Austrofaschismus 1934 angehörte und die später in NS-Quellen als "roter Kampfverband" bezeichnet werden sollte. Die politischen Beurteilungen Kühns in der NS-Zeit fielen dementsprechend skeptisch bis negativ aus. Im April 1940 wurde Kühn erneut in die NSDAP aufgenommen, zuvor war er der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt und dem Nationalsozialistischen Lehrerbund beigetreten. Im Mai 1940 rückte er zur Wehrmacht ein, war als Wehrgeologe sowohl an der Ostfront als auch in Frankreich im Einsatz, ehe er aufgrund seiner Verletzung aus dem Ersten Weltkrieg 1943 für untauglich befunden und aus der Wehrmacht entlassen werden sollte. Das Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung sah Kühn als Leiter der Sektion Geologie und Mineralogie des 1940 gegründeten und in den Räumlichkeiten der aufgelösten Jagiellonen-Universität in Krakau untergebrachten Instituts für Deutsche Ostarbeit vor. Anstelle der dortigen Funktion des Sektionsleiters übernahm er jedoch nach dem Tod von Julius Pia (1887–1943) dessen Planstelle in der Geologisch-Paläontologischen Abteilung des <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="6bf3c61a-ea5a-4d6a-b9b0-6457b8eefac0" href="/naturhistorisches-museum-wien" title="Naturhistorisches Museum Wien">NHM</a>, wo mit 1. Mai 1944 seine Ernennung zum Kustos I. Klasse erfolgte.</p> <p>Im Juli 1945 ließ sich Kühn als Nationalsozialist registrieren, er galt als minderbelastet. Seinem Ansuchen um Ausnahme von der Registrierung als Nationalsozialist sowie um Weiterverwendung und Übernahme in den neu zu bildenden Personalstand des <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="6bf3c61a-ea5a-4d6a-b9b0-6457b8eefac0" href="/naturhistorisches-museum-wien" title="Naturhistorisches Museum Wien">NHM</a> wurde 1948 stattgegeben und Kühn 1949 zum Abteilungsdirektor ernannt. Ab 1951 war er ordentlicher Professor für Paläontologie an der Universität Wien. 1956/57 folgte Kühns Berufung zum Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Wien, 1960/61 zum Rektor und zum Vorsitzenden der österreichischen Rektorenkonferenz. Nach seiner Emeritierung 1964 kehrte er an seinen früheren Arbeitsplatz im <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="6bf3c61a-ea5a-4d6a-b9b0-6457b8eefac0" href="/naturhistorisches-museum-wien" title="Naturhistorisches Museum Wien">NHM</a> zurück und publizierte noch diverse wissenschaftliche Arbeiten. Die Goldene Ehrenmedaille der Stadt Wien am 11. März 1969 konnte er krankheitsbedingt nicht mehr persönlich entgegennehmen. Kühn verstarb zwei Wochen später. Zum Gegenstand der systematischen Provenienzforschung wurde Kühn, da er im Zuge seiner Tätigkeit als Wehrgeologe im Zweiten Weltkrieg Dünnschliffe von Algen aus der von der Deutschen Wehrmacht besetzten Ukraine an das <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="6bf3c61a-ea5a-4d6a-b9b0-6457b8eefac0" href="/naturhistorisches-museum-wien" title="Naturhistorisches Museum Wien">NHM</a> übermittelt hatte. Mangels Quellen konnten die Hintergründe der Akquisition dieser Objekte jedoch nicht genauer eruiert werden.</p></div> <div class="field field--name-field-keywords field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field__label">Schlagwörter</div> <div class="field__items"> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/24" hreflang="de">MuseumsmitarbeiterIn</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/63" hreflang="de">NSDAP-Mitgliedschaft</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/67" hreflang="de">Universitätsprofessur</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-author field--type-entity-reference field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">AutorIn</div> <div class="field__items"> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/184" hreflang="de">Dario Alejandro Luger</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-publication-date field--type-datetime field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">Veröffentlichungsdatum</div> <div class="field__item"><time datetime="2020-05-12T22:00:00Z">12. Mai 2020</time> </div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-publications-about field--type-text-long field--label-above"> <div class="field__label">Publikationen zur Person / Institution</div> <div class="field__item"><p>Friedrich Bachmayer/Helmuth Zapfe, Univ.-Prof. Dr. Dr. h. c. mult. O. Kühn, in: Annalen des Naturhistorischen Museums Wien 74 (1970), 671–672.</p> <p>Hermann Häusler, Die Wehrgeologie im Rahmen der Deutschen Wehrmacht und Kriegswirtschaft. Teil 1: Entwicklung und Organisation (= Informationen des Militärischen Geo-Dienstes 47), Wien 1995.<br /> Hermann Häusler, Die Wehrgeologie im Rahmen der Deutschen Wehrmacht und Kriegswirtschaft. Teil 2: Verzeichnis der Wehrgeologen (= Informationen des Militärischen Geo-Dienstes 48), Wien 1995.</p> <p>Katharina Kniefacz, Othmar Kühn (Kuehn), Prof. Dr., in: 650 Plus - Geschichte der Universität Wien, URL: <a href="https://geschichte.univie.ac.at/de/personen/othmar-kuhn-kuehn-prof-dr">geschichte.univie.ac.at/de/personen/othmar-kuhn-kuehn-prof-dr</a> (3.12.2020).</p> <p>Stefan Lehr, Institut für Deutsche Ostarbeit, Krakau, in: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, 2012, URL: <a href="http://ome-lexikon.uni-oldenburg.de/begriffe/institut-fuer-deutsche-ostarbeit-krakau" target="_blank">ome-lexikon.uni-oldenburg.de/begriffe/institut-fuer-deutsche-ostarbeit-krakau</a> (3.12.2020).</p> <p>Fritz Steininger, Othmar Kühn, in: Mitteilungen der Geologischen Gesellschaft in Wien 62 (1969), 175–184.</p></div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-publications-by field--type-text-long field--label-above"> <div class="field__label">Publikationen der Person / Institution</div> <div class="field__item"><p>Othmar Kühn, Das Problem der Periodizität vom Standpunkt der Vererbungslehre, in: Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien 67 (1917), 187–189.<br /> Othmar Kühn, Variationsuntersuchungen an rezenten Korallen und ihre Anwendbarkeit auf die Fossilien, in: Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien 74-75 (1925), 129–134.<br /> Othmar Kühn, Die Echinodermen der Gosauformation, in: Annalen des Naturhistorischen Museums in Wien 39 (1925), 177–189.<br /> Othmar Kühn, Die Dänische Stufe in den Alpen und Karpaten, in: Anzeiger der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse 67 (1930), 34–37.<br /> Othmar Kühn, Militärgeologische Untersuchungen vom Flugzeug aus. Grenzen und Möglichkeiten, in: Militärwissenschaftliche Mitteilungen 70 (1939), 798–803.<br /> Othmar Kühn, Zur Stratigraphie und Tektonik der Gosauschichten, in: Sitzungsberichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse 156 (1947), 181–200.<br /> Othmar Kühn, Das Alter der Prominaschichten und der innereozänen Gebirgsbildung, in: Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt 91 (1948), 49–95.<br /> Othmar Kühn, Korallen aus dem Lavanttaler Miozän, in: Karinthin 21 (1953), 218–219.<br /> Othmar Kühn, Das Paläontologische Institut der Universität Wien, in: Universum, Natur &amp; Technik 9 (1954), 442–444.<br /> Othmar Kühn, Rudisten als ökologische und stratigraphische Indikatoren, in: Geologische Rundschau 56 (1967), 186–189.<br /> Othmar Kühn, Korallen des österreichischen Eozäns, in: Sitzungsberichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse 177 (1967), 1–39.</p> <p>Othmar Kühn/Josef Stiny, Notwendigkeit und Aufgaben einer Wehrgeologie in Österreich, in: Militärwissenschaftliche Mitteilungen 68 (1937), 905–908.</p></div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-archive-records field--type-text-long field--label-above"> <div class="field__label">Archivalien</div> <div class="field__item"><p>BArch Berlin, R 52-IV, IDO, 149, Sektion Geologie.<br /> BArch Berlin, R 9361-V-7397, Othmar Kühn, BDC, RKK.</p> <p>NHM, Archiv für Wissenschaftsgeschichte, Generaldirektionsakten.<br /> NHM, Geologisch-Paläontologische Abteilung, Einlauf-Journal V.</p> <p>OeStA/AdR, UWK, BMU, Personalakt, Sign. 10, Othmar Kühn.</p> <p>WStLA, Gauakten, A1, Personalakten des Gaues Wien, Othmar Kühn.<br /> WStLA, M.Abt. 119, A42, NS-Registrierung Othmar Kühn.</p></div> </div> <div class="field field--name-field-links-external field--type-link field--label-hidden field__items"> <div class="field__item"><a href="https://d-nb.info/gnd/116588616" rel="nofollow" target="_blank">GND: 116588616</a></div> <div class="field__item"><a href="https://viaf.org/viaf/27826366" rel="nofollow" target="_blank">VIAF: 27826366</a></div> <div class="field__item"><a href="https://www.wikidata.org/wiki/Q1410596" rel="nofollow" target="_blank">Wikidata: Q1410596</a></div> </div> Thu, 03 Sep 2020 14:41:05 +0000 acolono 1532 at https://staging.lexikon-provenienzforschung.org Naturhistorisches Museum Wien https://staging.lexikon-provenienzforschung.org/naturhistorisches-museum-wien <span>Naturhistorisches Museum Wien</span> <span><a title="View user profile." href="/user/1">acolono</a></span> <span>Thu, 09/03/2020 - 14:40</span> <div class="text-content clearfix field field--name-field-display-name field--type-text field--label-hidden field__item"><strong>Naturhistorisches Museum</strong></div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-biographical-data field--type-text-long field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">Zusatzinformationen</div> <div class="field__item"><p>weitere Bezeichnungen: NHM, k. k. Physicalisches-Astronomisches Kunst- und Natur-Thier-Cabinet (1796–1802), Vereinigtes Naturalien-, Physicalisches- und Astronomisches Cabinet (1802–1806), Vereinigte k. k. Naturalien-Cabinete (1806–1851), k. k. Zoologisches, k. k. Botanisches und k. k. Mineralogisches Hof-Cabinet (1851–1876), k. k. Naturhistorisches Hof-Museum (1876–1918)</p></div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-lexicon-entry field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Den Grundstock der Bestände des späteren Naturhistorischen Museums in Wien bildete die vermutlich 1748 von Kaiser Franz I. Stephan (1708–1765) erworbene Naturaliensammlung des Florentiner Gelehrten Jean de Baillou (1684–1758). Maria Theresia (1717–1780) übertrug 1765 die Hofsammlung ins Eigentum des Staates und machte sie damit für die Öffentlichkeit zugänglich. Neben umfangreichen Ankäufen und Schenkungen wuchs die zunächst in der Wiener Hofburg untergebrachte Naturaliensammlung in der Folge auch aufgrund wissenschaftlicher Forschungs- und Sammelreisen inner- und außerhalb Europas sukzessive an. Die kontinuierliche Vergrößerung der Bestände machte die Erweiterung der Depots in der Hofburg sowie die Verlagerung vieler Sammlungsobjekte in Dependancen (Harrach'sches Haus in der Johannesgasse, das Augarten-Palais, die Geologische Reichsanstalt im Palais Rasumofsky, das Untere Belvedere) notwendig. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden die Bestände durch mehrere Expeditionen, allen voran die österreichische Brasilienexpedition 1817–1835 sowie die Weltumsegelung der Fregatte Novara 1857–1859, beträchtlich erweitert. Zunehmender Platzbedarf in der Hofburg war die Folge. Als Kaiser Franz Joseph I. (1830–1916) die Schleifung der Wiener Stadtmauer und den Bau der Ringstraße 1857 veranlasste, kam es daher auch zur Neuplanung eines Naturkundemuseums. 1871 begann der Bau des Naturhistorischen Museums, 1881 war die Außen-, 1884 die Innengestaltung des Gebäudes abgeschlossen; im August 1889 eröffnete Kaiser Franz Joseph schließlich das k. k. Naturhistorische Hof-Museum. Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges konnten die Arbeiten im Museum wie auch Sammlungsreisen nur noch eingeschränkt durchgeführt werden. Nach dem Ende der Monarchie unterstand das Museum dem Staatsamt für Unterricht, ab 1919 ersetzte ein Museumskollegium die seit 1876 übliche Funktion des Intendanten (Museumsdirektor). An die Stelle des Kollegiums trat 1925 der Erste Direktor. Wegen Platzmangels wurde 1927 die Ethnographische Abteilung aus dem Naturhistorischen Museum ausgegliedert und deren Sammlung in die Neue Burg überstellt, woraus das 1928 eröffnete <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="10f692ee-24ea-4469-a4d3-e36f6e6c59ca" href="/weltmuseum-wien" title="Weltmuseum Wien">Museum für Völkerkunde</a> (heute <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="10f692ee-24ea-4469-a4d3-e36f6e6c59ca" href="/weltmuseum-wien" title="Weltmuseum Wien">Weltmuseum</a>) hervorging.</p> <p>Die Rekonstruktion der Geschichte des Naturhistorischen Museums während der NS-Zeit gestaltet sich u. a. mangels umfassender zeithistorischer Publikationen zum Haus sowie aufgrund der lückenhaften Quellenlage schwierig. So wurden unmittelbar vor und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges Akten und Inventare skartiert bzw. vernichtet. Während in der Literatur oftmals 1934 als Gründungsjahr der illegalen Betriebszelle der NSDAP im Museum angegeben wird, soll diese Zelle laut den Angaben von Wolfgang Adensamer (1899–1964), dem damaligen Leiter der Molluskensammlung in der Zoologischen Abteilung, bereits 1932 bestanden haben. Nach dem "Anschluss" Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich wurde der Mineraloge Hermann Michel (1888–1965) auf Betreiben der Landeskulturleitung der NSDAP als Museumsdirektor durch den Crustaceenspezialist Otto Pesta (1885–1974) ersetzt, blieb jedoch Direktor der Mineralogisch-Petrographischen Abteilung. Auf Pesta, seit 1937 Mitglied der NSDAP, folgte im Juni 1939 der deutsche Ornithologe <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="a8f88938-56c2-4dfa-aa6f-0db1392d393f" href="/kummerloewe-hans" title="Kummerlöwe, Hans">Hans Kummerlöwe</a>. <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="a8f88938-56c2-4dfa-aa6f-0db1392d393f" href="/kummerloewe-hans" title="Kummerlöwe, Hans">Kummerlöwe</a>, in mehreren politischen Beurteilungen der NSDAP als fanatischer Nationalsozialist beschrieben, war bereits seit 1925 Parteimitglied und Träger des goldenen Ehrenzeichens der NSDAP. Neben dem Naturhistorischen Museum unterstanden ihm als Ersten Direktor der Wissenschaftlichen Museen in Wien nunmehr auch das <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="10f692ee-24ea-4469-a4d3-e36f6e6c59ca" href="/weltmuseum-wien" title="Weltmuseum Wien">Museum für Völkerkunde</a>, das <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="4a29ea31-5e20-42e8-af19-2f3559812637" href="/oesterreichisches-museum-fuer-volkskunde" title="Österreichisches Museum für Volkskunde">Volkskundemuseum</a> sowie das <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="a2ab933a-e4cb-4d29-b534-1e27956c4a46" href="/technisches-museum-wien" title="Technisches Museum Wien ">Technische Museum Wien</a>. In Bezug auf das Naturhistorische Museum hatte der "Anschluss" nicht nur politisch motivierte Um- und Neubesetzungen, sondern darüber hinaus auch eine ideologisch gelenkte Forschungs- und Ausstellungspolitik zur Folge. Dies lässt sich insbesondere am Beispiel der Anthropologischen Abteilung nachvollziehen, die im Kontext der nationalsozialistischen "Rassenpolitik" gleichermaßen eine starke Aufwertung wie Instrumentalisierung erfuhr. In der NS-Zeit beteiligte sich diese Abteilung an antisemitischen sowie rassistischen Ausstellungen, führte umfangreiche Akquisitionen durch und nahm Vermessungen an Kriegsgefangenen sowie an als Jüdinnen und Juden klassifizierten Personen vor. Die im Mai 1939 eröffnete Sonderausstellung <em>Das körperliche und seelische Erscheinungsbild der Juden</em> bereitete antisemitische Stereotype pseudowissenschaftlich auf und bestärkte diese. Sie präsentierte u. a. Judaica aus den 1938 beschlagnahmten Beständen des Jüdischen Museums in Wien. Zwischen 1939 und 1943 führte die Anthropologische Abteilung Ausgrabungen von Skeletten auf dem jüdischen Friedhof in Währing durch und kaufte Schädel und Totenmasken polnischer Widerstandskämpfer sowie jüdischer Gefangener des Konzentrationslagers Posen. Josef Wastl, seit 1938 Leiter bzw. seit 1941 Direktor der Abteilung, erstellte außerdem von 1941 bis 1945 "erb- und rassenkundliche" Gutachten zur Frage, ob bestimmte Personen im Sinne der Nürnberger Gesetze als Jüdinnen bzw. Juden oder als "jüdische Mischlinge" galten. Infolge des Zweiten Weltkrieges rückten zahlreiche Mitarbeiter des Museums zum Dienst in der Deutschen Wehrmacht ein; einige Wissenschaftler führten ihre Forschungen im Rahmen von Expeditionen der Wehrmacht an Kriegsschauplätzen durch. Während des Krieges gelangten dadurch viele naturkundliche Objekte aus den besetzten Gebieten in das Naturhistorische Museum. Der Zoologe Otto Wettstein (1892–1967) war 1942 Mitglied einer Forschungstruppe auf Kreta; einige der dort zusammengetragenen Objekte kamen erst im Laufe der Nachkriegszeit ins Museum. Besonders bekannt ist die Sammeltätigkeit des Ornithologen Günther Niethammer (1908–1974), der von seinem Freund und früheren Studienkollegen Kummerlöwe 1940 von Bonn nach Wien berufen worden war. Niethammer, seit 1937 NSDAP-Mitglied und seit 1940 Mitglied der Waffen-SS, gehörte mehr als ein Jahr lang der Wachmannschaft im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau an und brachte aus der Umgebung von Auschwitz insgesamt 74 Objekte für die Vogelsammlung und 19 Objekte für die Säugetiersammlung des Museums mit. Da während des Zweiten Weltkrieges die Sicherheit der Sammlungen und Bibliotheken gewährleistet werden musste, kam es bereits 1939 zur Verlagerung der Alkoholpräparate sowie der Meteoriten- und der Edelsteinsammlung in die Kellerräume des Museums. Des Weiteren wurde ein permanenter Luftschutzdienst eingerichtet. Der regelmäßige Museumsbetrieb blieb bis 1942 aufrecht. Im August 1942 begann der Abtransport der Sammlungen an externe Bergungsorte, später sollte auch die Verlagerung der Bibliotheken erfolgen. Als Bergungsbevollmächtigter des Hauses fungierte Hermann Michel. Die Bestände wurden in bombensicheren Kellern in Wien sowie an unterschiedlichen Orten am Stadtrand bzw. außerhalb Wiens (u. a. Schloss Laudon, <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="a7bad82c-a391-4e5d-9dc7-b9a6bc2a8e54" href="/klosterneuburg-stift" title="Klosterneuburg, Stift">Stift Klosterneuburg</a>, Schloss Schönborn in Mallebarn, Schloss Kirchstetten bei Staatz, Tullnerbach-Lawis, <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="707df896-7001-4eee-9618-6f529381d3c7" href="/lauffen-salzbergwerk" title="Lauffen, Salzbergwerk">Salzbergwerk Lauffen bei Bad Ischl</a>) untergebracht. Abgesehen von mehreren Artillerietreffern während der Kampfhandlungen im April 1945 fielen die Schäden am Museumsgebäude relativ gering aus. Einzelne, extern verlagerte Sammlungen des Hauses hatten weitaus größere Verluste zu verzeichnen. So zerstörte beispielsweise ein Brand in dem als Bergungsort genutzten Schloss in Ober-Höflein bei Retz Ende Mai 1945 etwa ein Sechstel des Bestands der Botanischen Abteilung. Sammlungen anderer Abteilungen wurden wiederum infolge ungünstiger Lagerungsbedingungen an den Bergungsorten z. T. stark beschädigt. Die im Herbst 1945 begonnene Rückbergung sämtlicher Bestände des Naturhistorischen Museums konnte 1947 abgeschlossen werden.</p> <p>Nach Kriegsende wies eine Sonderkommission zur Entnazifizierung bei 59 von insgesamt 114 MitarbeiterInnen des Museums eine aktive nationalsozialistische Betätigung nach. 1946 hatten schließlich 35 MitarbeiterInnen ihren Dienst im Museum aufgrund ihrer früheren nationalsozialistischen Aktivitäten zu quittieren. Von 1945 bis 1951 bekleidete wieder Hermann Michel das Amt des Ersten Direktors. Die Rückgabe des Ausstellungsmaterials der Sonderschau <em>Das körperliche und seelische Erscheinungsbild der Juden</em> sowie der menschlichen Überreste aus Gräbern des jüdischen Friedhofs in Währing an die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) Wien erfolgte in den ersten Nachkriegsjahren. In den 1990er-Jahren kam es außerdem zur Rückstellung der Schädel und Totenmasken an die IKG. Zwei Totenmasken, die 1997 im Zuge weiterer Nachforschungen in der Anthropologischen Abteilung gefunden worden waren, verblieben auf Wunsch des Jüdischen Museums Wien als Zeitdokument im Naturhistorischen Museum. Seit der Verabschiedung des Kunstrückgabegesetzes 1998 wird im Naturhistorischen Museum systematische Provenienzforschung betrieben, seit 2017 erstmals von einem Team. Die von den ProvenienzforscherInnen bislang erstellten Dossiers behandeln mehr als 1.400 Objekte und betreffen neben Büchern, Möbeln und Kunstgegenständen hauptsächlich Sammlungsstücke aus den Bereichen Botanik, Geologie, Mineralogie, Paläontologie sowie Zoologie. Der Kunstrückgabebeirat sprach Empfehlungen zu folgenden Sammlungen aus: Martin F. Glaessner (2006), Walter Hersch (2009), Fritz Illner (2019), <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="0990d8f4-8364-4aab-87a0-e4d77e4f3fc6" href="/klang-heinrich" title="Klang, Heinrich">Heinrich Klang</a> (2019), <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="2028ecda-249f-42c5-a8f7-716a0f7ab003" href="/kraus-hans-peter" title="Kraus, Hans Peter">Hans Peter Kraus</a> (2018), <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="14d96ab3-3b58-4ea3-abae-262395b9d657" href="/kronfeld-ernst-moriz" title="Kronfeld, Ernst Moriz">Ernst Moriz Kronfeld</a> (2011), Robert und Margarete Piowaty-Lang (2006), Georg Rosenberg (2006), Moritz Rothberger (2003), Firma Roubicek &amp; Purm (2007), Missionshaus St. Gabriel (2007), Martha Schlesinger (2006), Robert Wadler (2005), Gertrude und Max Zarfl (2009). Für knapp 600 Objekte empfahl der Kunstrückgabebeirat die Restitution an ihre rechtmäßigen EigentümerInnen bzw. deren RechtsnachfolgerInnen.</p></div> <div class="field field--name-field-keywords field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field__label">Schlagwörter</div> <div class="field__items"> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/124" hreflang="de">Museum</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-author field--type-entity-reference field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">AutorIn</div> <div class="field__items"> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/184" hreflang="de">Dario Alejandro Luger</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-publication-date field--type-datetime field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">Veröffentlichungsdatum</div> <div class="field__item"><time datetime="2020-03-31T22:00:00Z">31. März 2020</time> </div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-publications-about field--type-text-long field--label-above"> <div class="field__label">Publikationen zur Person / Institution</div> <div class="field__item"><p>Margit Berner, Die museale Präsentation der Anthropologie im Naturhistorischen Museum in Wien 1930–1950, in: <span>Tanja Baensch/Kristina Kratz-Kessemeier/Dorothee Wimmer (Hg.), Museen im Nationalsozialismus: Akteure – Orte – Politik, Köln-Weimar-Wien 2016, 177–189.</span></p> <p>Margit Berner/Maria Teschler-Nicola, Die Anthropologische Abteilung des Naturhistorischen Museums in der NS-Zeit. Berichte und Dokumentation von Forschungs- und Sammlungsaktivitäten 1938–1945, in: Akademischer Senat der Universität Wien (Hg.), Senatsprojekt der Universität Wien. Untersuchungen zur Anatomischen Wissenschaft in Wien 1938–1945, Wien 1998, 333–358, URL: <a href="https://www.nhm-wien.ac.at/jart/prj3/nhm-resp/data/uploads/mitarbeiter_dokumente/berner/Senatsber.pdf">www.nhm-wien.ac.at/jart/prj3/nhm-resp/data/uploads/mitarbeiter_dokumente/berner/Senatsber.pdf</a> (3.12.2020).</p> <p><span>Alexandra Caruso/Katja Geiger/Dario Luger/Marcus Rößner, "Eine naturwissenschaftliche Sammlung verhält sich eben ganz anders, als ein Kunstmuseum …" Provenienzforschung im Naturhistorischen Museum Wien, in: Eva Blimlinger/Heinz Schödl (Hg.), … (k)ein Ende in Sicht. 20 Jahre Kunstrückgabegesetz in Österreich (= Schriftenreihe der Kommission für Provenienzforschung 8), Wien-Köln-Weimar 2018, 123–131, URL: </span><span lang="DE" xml:lang="DE" xml:lang="DE"><span><span><a href="https://doi.org/10.7767/9783205201274.123"><span>doi.org/10.7767/9783205201274.123</span></a></span></span></span><span>.</span></p> <p>Günther Hamann, Das Naturhistorische Museum in Wien – Geschichtliche Grundlagen seiner Entstehung, in: Naturhistorisches Museum Wien (Hg.), Das Naturhistorische Museum in Wien, Salzburg-Wien 1979, 11–27.</p> <p>Stefanie Jovanovi<span><span><span>ć</span></span></span>-Kruspel, Das Naturhistorische Museum – Baugeschichte, Konzeption &amp; Architektur, Wien 2014.</p> <p>Stefanie Kruspel, Das Naturhistorische Museum Wien als Gesamtkunstwerk. Ein kunst- und kulturhistorischer Rundgang durch das Haus, Wien 2000. </p> <p>Hermann Michel/Karl Holdaus/Robert Routil/Franz Petrak/Karl Krenn/Friedrich Trauth/Othmar Kühn, Das Naturhistorische Museum im Kriege, in: Annalen des Naturhistorischen Museums in Wien 56 (1948), 1–17.</p> <p>Bernhard Purin (Hg.), Beschlagnahmt. Die Sammlungen des Wiener Jüdischen Museums nach 1938, Wien 1995.</p> <p>Christa Riedl-Dorn, Das Haus der Wunder. Zur Geschichte des Naturhistorischen Museums in Wien, Wien 1998.</p> <p><span>Christa Riedl-Dorn, Von Leermeldungen zu achtzehn Dossiers – Zehn Jahre Provenienzforschung am Naturhistorischen Museum, in: Gabriele Anderl/Christoph Bazil/Eva Blimlinger/Oliver Kühschelm/Monika Mayer/Anita Stelzl-Gallian/Leonhard Weidinger (Hg.), … wesentlich mehr Fälle als angenommen. 10 Jahre Kommission für Provenienzforschung (= Schriftenreihe der Kommission für Provenienzforschung 1), Wien-Köln-Weimar 2009, 176–194, URL: </span><span lang="DE" xml:lang="DE" xml:lang="DE"><span><span><a href="https://doi.org/10.7767/boehlau.9783205118862.176"><span lang="DE-AT" xml:lang="DE-AT" xml:lang="DE-AT">doi.org/10.7767/boehlau.9783205118862.176</span></a></span></span></span><span>.</span></p> <p>Tina Walzer, Der jüdische Friedhof Währing in Wien. Historische Entwicklung, Zerstörungen der NS-Zeit, Status quo, Wien-Köln-Weimar 2011.</p></div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-archive-records field--type-text-long field--label-above"> <div class="field__label">Archivalien</div> <div class="field__item"><p>NHM, Archiv für Wissenschaftsgeschichte, Generaldirektionsakten.</p> <p>OeStA/AdR, BMfUuK, K. 169, Sign. 15 B2 a/b (Naturhistorisches Museum 1940–1960).<br /> OeStA/AdR, BMfUuK, K. 170, Sign. 15 B1 (Naturhistorisches Museum 1940–1945).<br /> OeStA/AdR, BMfUuK, K. 171, Sign. 15 B1 (Naturhistorisches Museum 1946–1952).<br /> OeStA/AdR, UWK, BMU, Personalakten, Sign. 3, Wolfgang Adensamer.<br /> OeStA/AdR, ZNsZ, Gauakt 159065, Hans Kummerlöwe.<br /> OeStA/AVA, Unterricht-Allg., K. 3616/U2 (Fasz. 3211).</p></div> </div> <div class="field field--name-field-links-external field--type-link field--label-hidden field__items"> <div class="field__item"><a href="https://d-nb.info/gnd/35915-4" rel="nofollow" target="_blank">GND: 35915-4</a></div> <div class="field__item"><a href="https://viaf.org/viaf/130769632" rel="nofollow" target="_blank">VIAF: 130769632</a></div> <div class="field__item"><a href="https://www.wikidata.org/wiki/Q688704" rel="nofollow" target="_blank">Wikidata: Q688704</a></div> </div> Thu, 03 Sep 2020 14:40:48 +0000 acolono 1509 at https://staging.lexikon-provenienzforschung.org Trauth, Friedrich https://staging.lexikon-provenienzforschung.org/trauth-friedrich <span>Trauth, Friedrich</span> <span><a title="View user profile." href="/user/28">Leonhard Weidinger</a></span> <span>Thu, 11/19/2020 - 07:51</span> <div class="text-content clearfix field field--name-field-display-name field--type-text field--label-hidden field__item">Friedrich <strong>Trauth</strong></div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-biographical-data field--type-text-long field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">Zusatzinformationen</div> <div class="field__item"><p>22.6.1883 Wien – 18.10.1967 Wien</p></div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-lexicon-entry field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Nach der Absolvierung des humanistischen Mariahilfer Gymnasiums studierte Trauth zunächst Griechisch und Latein, dann Geologie und Paläontologie, belegte weitere naturwissenschaftliche Fächer und promovierte 1908 "sub auspiciis imperatoris". Bereits als Student war er 1907 einer der Mitbegründer der Geologischen Gesellschaft in Wien, in der er über viele Jahre hinweg in verschiedenen Funktionen aktiv sein sollte. Noch vor Studienabschluss war Trauth Anfang 1908 in den kaiserlichen Hofdienst in der Geologisch-Paläontologischen Abteilung des <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="6bf3c61a-ea5a-4d6a-b9b0-6457b8eefac0" href="/naturhistorisches-museum-wien" title="Naturhistorisches Museum Wien">k. k. Naturhistorischen Hofmuseums</a> in Wien eingetreten. Zunächst als Volontär tätig, wurde Trauth 1912 Assistent, 1921 Kustos II. Klasse, später Kustos I. Klasse. Trauth tat sich bei der Verwaltung und Inventarisierung der Sammlungen in der Geologisch-Paläontologischen Abteilung besonders hervor, bestimmte zahlreiche Objekte bzw. korrigierte die Fehlbestimmungen früherer ForscherInnen und beschriftete tausende Etiketten von Objekten. 1926 habilitierte sich Trauth an der Technischen Hochschule Wien für Geologie und Paläontologie, wo er auch lehrte und 1935 eine außerordentliche Professur erhielt. Im Juni 1936 wurde er zum Direktor der Abteilung ernannt. Von Februar 1941 bis April 1945 war Trauth als Stellvertreter von <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="a8f88938-56c2-4dfa-aa6f-0db1392d393f" href="/kummerloewe-hans" title="Kummerlöwe, Hans">Hans Kummerlöwe</a> Direktor des <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="6bf3c61a-ea5a-4d6a-b9b0-6457b8eefac0" href="/naturhistorisches-museum-wien" title="Naturhistorisches Museum Wien">Naturhistorischen Museums</a> (<a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="6bf3c61a-ea5a-4d6a-b9b0-6457b8eefac0" href="/naturhistorisches-museum-wien" title="Naturhistorisches Museum Wien">NHM</a>) und war in dieser Funktion für die Bergung von Sammlungsbeständen des <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="6bf3c61a-ea5a-4d6a-b9b0-6457b8eefac0" href="/naturhistorisches-museum-wien" title="Naturhistorisches Museum Wien">NHM</a> verantwortlich. Nach Kriegsende übernahm er die Leitung der Rückbergungen.</p> <p>Seit seiner Studienzeit war Trauth Mitglied des Deutschen Schutzverbands "Südmark" sowie des "Deutschen Schulvereins". Von 1933 bis 1938 gehörte er als Beamter der Vaterländischen Front an. Einer politischen Beurteilung in der NS-Zeit zufolge verhielt sich Trauth vor dem "Anschluss" "indifferent". Laut eigenen Angaben bewarb er sich im Juni 1938 um Aufnahme in die NSDAP und trat im selben Jahr der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt sowie dem Reichsluftschutzbund bei. Im Juli 1945 musste er sich als ehemaliger Nationalsozialist registrieren lassen. Wenig später behauptete Trauth, lediglich "Bewerber" für die NSDAP-Mitgliedschaft und niemals Parteianwärter gewesen zu sein, und ersuchte noch im November 1945 das Magistratische Amt in Wien 7 um Streichung seiner vermeintlich "irrtümlichen" Registrierung als Nationalsozialist. Im Dezember 1945 sprach sich der Senat Nr. 8 der Sonderkommission I. Instanz beim Staatsamt für Volksaufklärung, für Unterricht und Erziehung und für Kultusangelegenheiten dafür aus, dass Trauth zwar seinen Dienst im <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="6bf3c61a-ea5a-4d6a-b9b0-6457b8eefac0" href="/naturhistorisches-museum-wien" title="Naturhistorisches Museum Wien">NHM</a> fortsetzen, jedoch keine leitende Funktion bekleiden dürfe. Dieser Empfehlung folgte das Unterrichtsministerium im Frühjahr 1946. Im Zuge des Entnazifizierungsverfahrens versuchte Trauth seine angebliche Ablehnung des Nationalsozialismus u. a. mit seinem auch nach dem "Anschluss" fortbestehenden brieflichen Kontakt mit den jüdischen, lange in Verbindung mit dem <a data-entity-substitution="canonical" data-entity-type="node" data-entity-uuid="6bf3c61a-ea5a-4d6a-b9b0-6457b8eefac0" href="/naturhistorisches-museum-wien" title="Naturhistorisches Museum Wien">NHM</a> stehenden und in der NS-Zeit verfolgten Naturwissenschaftlern Georg Rosenberg (1897–1969) und Martin Glaessner (1906–1989) zu belegen. Nach einem entsprechenden Antrag Trauths entschied die im Innenministerium angesiedelte Beschwerdekommission im November 1947, Trauths Namen von der Liste registrierter NationalsozialistInnen zu streichen. Trauth wurde wieder als Abteilungsdirektor angestellt. 1948 trat er offiziell in den Ruhestand, versah aber noch bis Mitte 1949 Dienst in der Abteilung. 1949 wurde er zum Hofrat, 1954 zum Ehrenmitglied der Geologischen Gesellschaft in Wien ernannt und 1958 verlieh ihm die Universität Wien das goldene Doktordiplom.</p></div> <div class="field field--name-field-keywords field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field__label">Schlagwörter</div> <div class="field__items"> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/24" hreflang="de">MuseumsmitarbeiterIn</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/64" hreflang="de">NSDAP-Anwartschaft</a></div> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/67" hreflang="de">Universitätsprofessur</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-author field--type-entity-reference field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">AutorIn</div> <div class="field__items"> <div class="field__item"><a href="/taxonomy/term/184" hreflang="de">Dario Alejandro Luger</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-publication-date field--type-datetime field--label-visually_hidden"> <div class="field__label visually-hidden">Veröffentlichungsdatum</div> <div class="field__item"><time datetime="2020-09-30T22:00:00Z">30. September 2020</time> </div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-publications-about field--type-text-long field--label-above"> <div class="field__label">Publikationen zur Person / Institution</div> <div class="field__item"><p>Othmar Kühn/Helmuth Zapfe, Hofrat Prof. Dr. Friedrich Trauth zum 80. Geburtstag, in: Annalen des Naturhistorischen Museums in Wien 66, 1963, 91–100.</p> <p>Othmar Kühn, Friedrich Trauth, in: Mitteilungen der Geologischen Gesellschaft in Wien 60, 1967, 141–147.</p> <p>Helmuth Zapfe, Hofrat Prof. Dr. Friedrich Trauth, in: Annalen des Naturhistorischen Museums in Wien 73, 1969, 15–17. </p></div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-publications-by field--type-text-long field--label-above"> <div class="field__label">Publikationen der Person / Institution</div> <div class="field__item"><p>Friedrich Trauth, Über den Lias der exotischen Klippen am Vierwaldstätter See, in: Mitteilungen der Geologischen Gesellschaft in Wien 1, 1908, 413–485.<br /> Friedrich Trauth, Über einige Krustazeenreste aus der alpin-mediterranen Trias, in: Annalen des Naturhistorischen Hofmuseums in Wien 32, 1918, 172–192.<br /> Friedrich Trauth, Geologie der Klippenregion von Ober-St. Veit und des Lainzer Tiergartens, in: Mitteilungen der Geologischen Gesellschaft in Wien 21, 1928, 35–132.<br /> Friedrich Trauth, Die zweivalvigen Aptychen des Lias, in: Jahreshefte des Vereins für vaterländische Naturkunde in Württemberg 91, 1935, 22–58.<br /> Friedrich Trauth, Liasammoniten aus dem Diluvium des Klagenfurter Beckens, in: Carinthia II 127, 1937, 64–69.<br /> Friedrich Trauth, Julius Pia zum Gedenken, in: Annalen des Naturhistorischen Museums in Wien 55, 1947, 19–49.<br /> Friedrich Trauth, Geologie des Kalkalpenbereichs der zweiten Wiener Hochquellenleitung (Quellgebiete an und nächst der steirischen Salza und Leitungsstrecke bis Scheibbs), in: Abhandlungen der Geologischen Bundesanstalt in Wien 26, 1948, 1–99.</p> <p>Adolf Meier/Friedrich Trauth, Ein Gosauvorkommen am Südgehänge der Dachsteingruppe, in: Verhandlungen der Geologischen Bundesanstalt 11, 1936, 216–221.<br /><br /> Josef Stiny/Friedrich Trauth, Der Baugrund des neuen Wasserbehälters im Lainzer Tiergarten, in: Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt 88, 1938, 35–48.</p></div> </div> <div class="text-content clearfix field field--name-field-archive-records field--type-text-long field--label-above"> <div class="field__label">Archivalien</div> <div class="field__item"><p>BArch Berlin, R 9361-V-38094, Friedrich Trauth, BDC, RKK.</p> <p>OeStA/AdR, UWK, BMU, Personalakt, Sign. 3, Friedrich Trauth.</p> <p>WStLA, M.Abt. 119, A42, NS-Registrierung, Friedrich Trauth.</p></div> </div> <div class="field field--name-field-links-external field--type-link field--label-hidden field__items"> <div class="field__item"><a href="https://d-nb.info/gnd/117406201" rel="nofollow" target="_blank">GND: 117406201</a></div> <div class="field__item"><a href="https://viaf.org/viaf/72170396" rel="nofollow" target="_blank">VIAF: 72170396</a></div> <div class="field__item"><a href="https://www.wikidata.org/wiki/Q21610937" rel="nofollow" target="_blank">Wikidata: Q21610937</a></div> </div> Thu, 19 Nov 2020 07:51:50 +0000 Leonhard Weidinger 1572 at https://staging.lexikon-provenienzforschung.org